Es wird geklotzt, nicht gekleckert. Das Schweizer Musikbusiness gibt sich Beton als jährliche Siegestrophäe. Das macht die Swiss Music Awards buchstäblich zum Anlass mit Gewicht. Doch bisweilen wirkt die Sache auch etwas schwerfällig, was durchaus nicht nur an der Materie des Awards liegt.
Die Veranstalter der Swiss Music Awards lieben die grosse Dimension: Der Anlass ist als zweistündige Live-TV-Show aus dem Zürcher Hallenstadion konzipiert. Da gibt es viel Raum zum Füllen. Einerseits tut das die mit allen technischen Finessen versehene, spektakuläre LED-Screen-Bühne. Andererseits ist die Schweizer Musikbranche zum Glück in den letzten Jahren förmlich explodiert, so dass sich im sogenannten VIP-Bereich wirklich viele Menschen tummeln, die tatsächlich wichtig sind oder dann zumindest so aussehen oder so tun. Zudem ist es im Backstage-Bereich des Hallenstadions, wo der Apéro stattfindet, dunkel genug, als dass man bekannte Gesichter nicht sofort erkennen und unbekannte beflissentlich übersehen kann. Die eigentliche Show ist wie gesagt aufs Fernsehen zugeschnitten. Das heisst: Warm up. Probeklatschen. Für die Mood-Bilder ein paar kreischende Teenies vor der Bühne. Und dann ab die Post. Dieses Jahr mit neuem Moderatorenpaar: Alexandra Maurer und Stefan Büsser. Um es vorweg zu nehmen: Sie haben einen guten Job gemacht, der durchaus nicht ganz einfach zu bewältigen war. Denn die Regie sah einige Positions- und Kamerawechsel vor – in der Dimension der Hallenstadion-Bühne kann das zu einem kleinen Marathonlauf werden. Maurer profilierte sich als kecke, aber sympathische Interviewerin, und Büssi sorgte mit seinen flapsigen Sprüchen dafür, dass jeder drohende Hänger in der Show humorvoll-salopp aufgefangen wurde. Die Dramaturgie des Abends kennt man jedoch nach der ersten Viertelstunde: Ankündigung der Kategorie, Nennung der Nominierten, «The Winner is», Betonklotz-Übergabe, Applaus, Emotionen, Dankesrede, Applaus, Next. Ach ja. Hin und wieder sorgt ein Show-Act für willkommene Auflockerung. Dieses Jahr warens die Schweizer Damian Lynn, Hecht, Lo & Leduc, Pegasus und die unverwüstlichen Züri West sowie die internationalen Stars Alvaro Soler, Mark Forster und James Blunt. Ragn’n’Bone Man hatte kurzfristig abgesagt, da sein Albumrelease in England für ihn verständlicherweise Priorität hatte. Nach 16 (!) Kategorien, die teilweise noch etwas erklärungsbedürftig sind, ist es geschafft: Der Saalbesucher hat sich die After-Show-Party im Kaufleuten redlich verdient. Ein Shuttle-Service sorgt für den Transport in Zürichs Innenstadt. Und mit dem Goldbändeli um den Puls muss man ausnahmsweise beim Kaufleuten einmal nicht anstehen. Drinnen dröhnt Funk und House, und es gibt Cüpli und kleine Snacks zur Stärkung. Doch es dauert lange, bis sich die Hallenstadion-Freunde alle eingefunden haben. So bleibt von den Swiss Music Awards ein zweigeteilter Eindruck: Eine TV-Show im Hallenstadion und eine Mitternachtsparty im Kaufleuten. Vielleicht sollte man versuchen, beide Events näher zusammen zu bringen?





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