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«Ich richte mein Leben nicht nach Internet-Kommentaren aus»

Man liest, dass Ihr Vater Sie als kleiner Junge zu einem AC/DC-Konzert mitgenommen hat und Sie dadurch die Liebe zur Musik entdeckten. Wenn das so war, warum haben Sie sich nicht für das Genre Rock entschieden? Tom Walker:…

Innert kürzester Zeit hat er sich in die Ohren und Herzen der Fans gesungen. Seine Lieder sind kraftvoll und berührend. Dazu ist Tom Walker ein sympathischer Typ, der trotz Zigmillionen YouTube-Klicks die Bodenständigkeit seiner schottischen Wurzeln nicht verloren hat. Am 30. Oktober gastiert er an der Baloise Session.

Man liest, dass Ihr Vater Sie als kleiner Junge zu einem AC/DC-Konzert mitgenommen hat und Sie dadurch die Liebe zur Musik entdeckten. Wenn das so war, warum haben Sie sich nicht für das Genre Rock entschieden?
Tom Walker: Es sitimmt: AC/DC war eines meiner ersten Konzerte, das ich erlebt habe. Rock hat mich tatsächlich durch meine Jugend begleitet. Unsere Musiksammlung zu Hause enthielt Muse, The Rolling Stones, Pink Floyd. Aber ich hörte auch Bob Marley, Ray Charles, Paolo Nutini oder The Police. Es gab immer sehr viel unterschiedliche Musik in meinem Leben.

War es für Sie immer klar, dass Sie Profi-Musiker werden wollten, oder hatten Sie als Bub andere Traumberufe?
Nein, nicht wirklich. Nachdem ich als Teenager gelernt hatte, Gitarre zu spielen und begann, eigene Songs zu schreiben, stand für mich fest, dass ich Musiker werden wollte. Ich hätte mir aber nie träumen lassen, dass meine Karriere sich so entwickelt, wie es geschehen ist. Ich sah mich eher als Studiomusiker oder als Musiker in einer Band.

Ihre Eltern hatten da keine Einwände?
Im Gegenteil! Sie haben mich immer sehr unterstützt. Sie haben mir nie eine Game-Konsole geschenkt, dafür aber neue Saiten für die Gitarre oder einen Verstärker – um mir weiter zu helfen, mein Ziel zu erreichen.

Sie haben das London College of Temporary Music absolviert. Was ist das Wichtigste, das Sie dort gelernt haben?
Ich denke, die Zusammenarbeit mit anderen Musikern. Vorher war ich ein richtiger Eigenbrötler, dachte, ich müsse alles selbst machen – vom Songwriting bis zum Arrangement und den Aufnahmen. Auf der Universität habe ich gelernt, meine Ideen mit anderen Musikern zu teilen, was sehr bereichernd war.

Glauben Sie, dass Musiker, die eine Pop-Hochschule absolviert haben, heute einen Karrierevorsprung haben gegenüber jenen, die auf eigene Faust versuchen, eine Karriere als Popmusiker zu entwickeln?
Ich glaube, beides ist möglich. Der grosse Vorteil einer Hochschule ist, dass man sich als Musiker täglich voll auf die Musik konzentrieren kann und sich keine Gedanken über Job oder Arbeit machen muss. Wenn man sechs Tage in der Woche arbeitet hat man oft schlich nicht die Zeit und die Energie, um konsequent eine Karriere als Musiker aufzubauen. Als Student kann man sich voll auf das konzentrieren, was einem wichtig ist. Das war glücklicherweise mein Werdegang. Ich kann nicht wirklich beurteilen, wie ich den anderen Weg gegangen wäre.

Wie schreiben Sie Ihre Songs?
Ich habe dafür keine eigentliche Methode entwickelt. Meistens probiere ich mit der Gitarre neue Dinge. Manchmal sitze ich im Studio mit anderen Songschreibern zusammen, aber manchmal fällt mir auch um drei Uhr Morgens eine Songzeile ein, die ich dann aufnehme und später ausarbeite.

Sie haben eine sehr charakteristische Stimme und eine spezielle Art, zu singen. Wie haben Sie das entwickelt?
Ich bin eigentlich erst sehr spät, etwa mit 18 Jahren, zum Singen gekommen. Anfangs fühlte ich mich nicht sehr wohl dabei, und ich empfand es als sehr schwierig, da ich meine Stimme immer bis zum Äussersten strapazierte. Erst als ich verschiedene Singtechniken lernte, begann ich, meine Stimme zu kontrollieren und zu mögen. Mir wurde klar: Die Stimme ist ein Instrument, das man genau so lernen und übern muss, wie zum Bespiel eine Gitarre. Und oft braucht es dazu einen guten Coach, YouTube-Videos genügen dazu nicht.

A propos YouTube: Mit Ihrem Song «Just You And I» haben Sie im Nu sagenhafte 21 Millionen Streams erreicht. Wie hat das Ihr Leben und Verhältnis zur Musik verändert?
Ich denke, es hat mich zuversichtlicher gemacht. Als ich ein Kind war, brachten junge Musiker Platten heraus und hatten keine Ahnung, wer sie hörte. Sie spielten Konzerte vor ein paar Kollegen und wussten nicht wirklich, wie viele Leute es da draussen gab, die ihre Musik wirklich schätzten. Heute hat man Dank Internet sofort alle Zahlen verfügbar. Ich finde das sehr hilfreich, denn es zeigt, wie viele Leute sich mit Deiner Musik befassen.

Lesen Sie die Kommentare, die unter Ihren Musikvideos auf YouTube stehen und wenn ja: Wie beeinflussen die Ihr Songwriting?
Ich überfliege sie manchmal. Aber meine Musik spiele ich lieber meinen Freunden oder meine Familie vor und höre, was sie dazu meinen. Ich glaube, es ist eine schlechte Idee, sein Leben nach Internet-Kommentaren auszurichten.

Dieses Jahr spielen Sie an der Baloise Session. Was wissen Sie von diesem Festival?
Ich weiss, dass ich den Abend mit Snow Patrol teile, was ich sehr spannend finde. Ich bin noch nie zusammen mit ihnen aufgetreten, schätze ihre Musik aber sehr. Und vom Festival weiss ich, dass schon viele grosse Stars dort gespielt haben. Das ehrt mich sehr.

Ihre Beziehung zur Schweiz?
Ich habe nur schöne Erinnerungen an die Schweiz. Das Konzert in der Samsung Hall war ein riesiger Erfolg. Und dann gab es noch diesen unvergesslichen Auftritt am Openair Gampel in der wunderschönen Umgebung. Die Leute waren super gut drauf! Darum freue ich mich sehr auf Basel!

Interview: Zeno van Essel

Avatar von Zeno van Essel

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