Anna Rossinelli lässt sich unterwegs von gesammelten Sounds inspirieren.
Das neue Album von Anna Rossinelli ist unterwegs in den USA entstanden
So nah war Anna Rossinelli noch nie. Die neu gefundene Musik lässt ihre angeraute Stimme, die dennoch in allen Tonlagen so voll klingt, persönlicher und direkter an die Zuhörer rankommen. Da ist was passiert. Und wie ganz am Anfang passierte es draussen auf den Strassen. Das Basler Trio war zwei Monate lang in den USA unterwegs, sammelte Begegnungen mit Musikern und deren Rhythmen und Töne und nahm diese Inspirationen am Ende der Reise mit in ein winziges New Yorker Studio. Sie selbst waren noch nie so glücklich mit einem Album, wie mit diesem, ihrem dritten Werk «Bang Bang Bang». Vielleicht weil die drei durch das befreiende Gefühl des Unterwegsseins, sich auch freier denn je fühlten, musikalisch genau das zu tun, worauf sie Lust hatten. Ganz ohne kastrierende Konventionen oder Hitmühle-Hintergedanken. Man spürt diesen Geruch der Wildheit, die Freude am Abenteuer in jedem Takt.
Was fehlt, ist jegliche kritische Haltung gegenüber diesem Amerika, das doch mehr sein muss als Freiheit. Die Songs behandeln Evergreen-Themen und heissen darum auch nicht besonders originell «Broken Hearted» oder «Forever Young». Soweit so gut, leicht problematisch in unseren Zeiten ist dann aber ein König namens Mustafa, der im reaktionären Texas mit Mädchen trinkend die Freiheit entdeckt.
Das braucht dann schon eine gehörige Portion Naivität, so etwas in die Welt zu setzen, wenn auch märchenangehaucht kaschiert. Aber vielleicht ist das gerade das Schöne am Künstlerdasein, dass man sich einfach unkritisch, frei und wild von Emotionen und Inspirationen treiben lassen darf und nicht zu stark den Kopf einschalten muss, der unweigerlich zensuriert. Zum Zuhören und den Kopf ausschalten ist «Bang Bang Bang» auf jeden Fall schön.





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