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Mehrspur-Show

Ein junger Hitzkopf, der sich weder in einen Musikstil drängen, noch von Autoritäten was vorschreiben lässt: Tory Lanez hält sich nicht zurück, zu sagen, was er denkt. Sogar wenn es um seine sanfte Seite geht, ist sein Credo…

Ein junger Hitzkopf, der sich weder in einen Musikstil drängen, noch von Autoritäten was vorschreiben lässt: Tory Lanez hält sich nicht zurück, zu sagen, was er denkt. Sogar wenn es um seine sanfte Seite geht, ist sein Credo «Say It». Über die Hintergründe des Kanadiers, der längst kein unbeschriebenes Blatt mehr ist.

Der Künstlername «Lanez» kommt von «lanes», Englisch für Fahrspuren. Ein Spitzname, der Tory Lanez schon mit 12 Jahren vom Hauswart verpasst wurde. «Er nannte mich Lanes, weil ich immer über die Strasse rannte, ohne den Verkehr zu beachten», erzählt Lanez der Stanford Arts Review. «Ich hatte keinen Respekt vor Fussgängerregeln. Ich war ein böser Junge, kapiert?» Das klingt, als ob er stolz darauf wäre. Aber vielleicht ist er noch stolzer darauf, sich trotz den widrigen Umständen, die ihn zum «bösen Jungen» formten, durchgeschlagen zu haben. Seine Mutter starb früh und seine Grossmutter weigerte sich, sich um den schwierigen Jungen zu kümmern. Als er 15 war, lebte er mit drei älteren Jungs zusammen, die er kaum kannte. «Drei Jahre lang habe ich die täglich nur bekämpft. Jeder schaute nur für sich», erzählt Tory dem XXL Magazine. «Das hat einen Mann aus mir gemacht.»

Bitch Ass Security
Diese Prägung dringt bis heute manchmal durch. Lanez scheint immer noch ein Problem mit Autoritätspersonen zu haben, zum Beispiel Security-Leuten. An einem Konzert in Midland in Texas hatte er mit solchen offenbar einen Konflikt. Daraufhin soll er gemäss dem Onlinemagazin hiphopdx die Menge aufgefordert haben, to «fuck shit up», TMZ behauptet gar, er solle gesagt haben «f*** this place up» sowie «Bitch ass security».  Jedenfalls ist dann ein Krawall losgegangen, der mit einem Polizeieinsatz und dem Abbruch des Konzertes endete, was sicher nicht im Sinne der Fans und wohl auch nicht im Sinne des Künstlers war. Weniger stören werden ihn rechtliche Schritte von Seiten des Veranstalters. Aber vielleicht fragt er sich in einer ruhigen Minute, ob die Folgen seines aufwallenden Blutes die Aktion wert waren.

Die ruhige Seite des Hitzkopfes
Vielleicht hat die Musik Tory Lanez davon abgehalten, ganz auf schiefe Bahnen abzudriften. Geschichten erzählen, Gefühle raus lassen, mit den eigenen Songs eine Identität kreieren. Doch da gehts nicht nur um den Kampf des harten Mannes. Guckt man das Video zu seinem ersten Hit «Say It», spürt man eine weiche Seite des abgeklärten Selfmademans:

Möchte er seine Traumfrau umgarnen, zieht der «böse Junge» alle Register und wird sogar charmant. Der erste Schritt ist jedoch auch da der eines harten Kerls und darum geht der Song: «Say It» – den Mut zu haben, die Verehrte anzusprechen. Da zeigt sich der Junge, der gelernt hat, für das zu kämpfen, was er will.
Jungs, die wie er einen schwierigen Start ins Leben hatten, laufen zu Hunderten auf Torontos Strassen rum. Doch Tory Lanez scheint zu jenen zu gehören, die ihren liebenswerten Kern wahren konnten und durch die Musik den Rank in ein Leben gefunden haben, in dem nicht mehr jeder Tag ein Kampf ist. Und wo Zeit bleibt, die eigene Vergangenheit – und noch wichtiger – sich selbst in der Gegenwart zu analysieren.

Swavey
Nicht verwunderlich, lässt sich die unbändige Persönlichkeit nicht gerne in eine Schublade stecken. Seinen Kleidungsstil beschreibt er als unberechenbar und mit einem seiner Lieblingswörter: «swavey». So beschreibt er auch seine Musik:

«Swavey ist ein Musikgenre, das mehr als einen Stil zusammenführt. Stil-Etiketten wollen Musiker auf eine einzige Spur drängen. Viele Künstler sind jedoch multitalentiert, ihre Musik unberechenbar. Das ist Qualität, das ist gut, das ist swavey.»

So wie er als Junge die Fahrspuren durchquerte, ohne sich an Regeln zu halten, läuft seine Musik auch quer durch die Tonspuren, die ihm passen. – Und eins ist sicher: Tory Lanez wird in der Musikszene noch so manche Spuren hinterlassen.

Avatar von Selina Walter

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