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John Legend – Konzerthighlight an der Baloise Session

John Legend live an der Baloise Session 2018: Interpretation von Simon & Garfunkels «Bridge Over Troubled Water» Diesen Mut muss man zuerst einmal haben: Einen oberhippen Weltstar, der in den internationalen Charts mit aufwendig arrangierten, perfekt gestylten Popsongs…

John Legend neu entdeckt. Das ist das überraschende Fazit eines Konzertabends an der Baloise Session, an dem der Weltstar solo am Piano 90 Minuten lang Stimmung auf die Bühne zauberte.

John Legend live an der Baloise Session 2018: Interpretation von Simon & Garfunkels «Bridge Over Troubled Water»

Diesen Mut muss man zuerst einmal haben: Einen oberhippen Weltstar, der in den internationalen Charts mit aufwendig arrangierten, perfekt gestylten Popsongs glänzt, einen Abend lang nur am Flügel sitzend als Headliner eines renommierten Festivals zu engagieren, das bekannt ist für sein stimmungsvolles Ambiente, seine hohe musikalische Qualität – aber auch für sein anspruchsvolles Publikum. Die Macher der Baloise Session habens gewagt und John Legend für zwei exklusive Konzerte nach Basel eingeflogen. John Legend? Der amerikanische Schmusesänger mit dem Teddybären-Blick und der samtigen Stimme? Allenfalls ein Highlight für selfiesüchtige schmachtende Teenie-Herzen. Aber als abendfüllender Act? Ohne Band? So mancher Musik-Afficionado hatte im Vorfeld seine Zweifel, ob dieser smarte Pop-Held, der wegen seines jugendlichen Aussehens noch gerne der Generation Castingshow zugerechnet wird, dem hohen Anspruch eines ausserordentlichen Konzerterlebnisses in Basel standhalten würde. Dann erscheint er auf der Bühne. Stimmungsvoll eingeleuchtet. Enge schwarze Hosen und ein goldschimmerndes Jacket. Ein kurzes Lächeln hin zum Publikum. Eine kurze, launige Begrüssung, aber nicht viel Worte, keine Show. Er zupft die Ärmel nach hinten, gönnt sich wie ein klassischer Pianist einen kurzen Moment der Besinnung und greift in die Tasten des mächtigen Yamaha-Flügels. Der Jazz-Akkord, der ertönt, kommt einem irgendwie bekannt vor, die Hookline auch. Beim Refrain wird klar: «Made To Love». Einer dieser Hits, die man vom Radio kennt – dort allerdings mit donnernden Pauken und Bässen und treibendem Synthie-Beat zum poppigen Airplay-Brei vermanscht. Vielleicht ein Grund dafür, warum man John Legend nicht als den grossartigen Musiker wahrnimmt, der sich auf der Bühne der Baloise Session bereits in den ersten paar Takten des ersten Songs entpuppt: «Made To Love» tönt plötzlich federleicht, fast schon impressionistisch. Legends Stimme ist vielschichtig, pur und nah. Der Rhythmus ist getragen, so dass man plötzlich die harmonische Strukturs dieses wunderbaren Songs erkennt. Und John Legends Pianospiel ist virtuos – oder besser gesagt: von grosser spielerischer Leichtigkeit. Alles zusammen überzeugt vom ersten Ton an – und überrascht: Denn John Legend schafft es in diesem puritanischen Setting, Spannung aufzubauen, ohne kitschig zu werden. Eingestreute Coverversionen wie Bruce Springsteens «Dancing In The Dark», Bob Marleys «Redemption Song» oder Simon and Garfunkels «Bridge Over Troubled Water» betten Legends Lieder da ein, wo sie hingehören: In die Klassiker der R&B- und Soulszene. In kurzen Statements verrät Legend Biografisches: dass er früher einmal als Management Consultant Powerpoint-Präsentationen und Excel-Tabellen bearbeiten musste und das gar nicht seine Sache war. Dass er das Klavierspiel von seiner Grossmutter gelernt hat, die in seinem Heimatdorf Springfield, Ohio, Organistin der lokalen Bethel A. M. E. Church war. Und dass er am Anfang seiner Karriere als Nachmittags-Acts einsam in den Bars von New York klimperte, um ein bisschen Geld zu verdienen. Doch es sind wenige Worte, die fallen. Denn an diesem Abend gibt es vor allem eines: viel hervorragende Musik, die auch dem kritischsten Geist eindrucksvoll belegt, warum John Legend als einer der Wenigen die grossen Vier der Show-Awards gewonnen hat: den Tony, den Emmy, den Grammy und den Oscar. Dass ganz am Schluss noch das unvermeidliche «All Of Me» ertönt, lässt die Handy-Filmer noch einmal entzücken. Für das musikalische Schaffen dieses grossartigen Künstlers ist dieser Megahit an diesem Abend eher eine Randnotiz. Danke, Baloise Session, für diese neue, überraschende Erkenntnis!

 

Avatar von Zeno van Essel

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