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Marius Bear: «Musik war mein Sekundär-Hobby»

Marius Bear, es gibt diese lustige Story, dass Ihre Stimme im Militär entdeckt wurde, als Sie als Wachtmeister morgens die Soldaten zusammenrufen mussten und einer von ihnen Ihre starke Stimme erkannte und sie zu einer Jam-Session einlud. War…

Er ist ein waschechter Appenzeller, lebt und studiert in London Musik und hat eine Stimme wie ein Soul- und Blueskönig. Eigentlich wollte er als Baumaschinen-Mech den Familienbetrieb übernehmen. Doch im Militär entdeckte ein Soldat seine Hammer-Stimme. Jetzt gilt Marius Bear als einer der spannendsten Schweiz Newcomer und tritt am 5. November an der Baloise Session im Vorporgramm von Ms Lauryn Hill auf.

Marius Bear, es gibt diese lustige Story, dass Ihre Stimme im Militär entdeckt wurde, als Sie als Wachtmeister morgens die Soldaten zusammenrufen mussten und einer von ihnen Ihre starke Stimme erkannte und sie zu einer Jam-Session einlud. War es wirklich so ein Zufall, dass Sie Sänger geworden sind?
Ja, diese Geschichte ist tatsächlich so passiert. Vorher hatte ich nie vorgehabt, Sänger zu werden. Ich habe zwar ein bisschen Gitarre gespielt, aber mehr zu meiner eigenen Unterhaltung. Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, vor Publikum zu spielen.

Brauchte es Überwindung zu diesem Schritt?
Auf jeden Fall. Darum habe ich mich zuerst auch als Strassenmusiker versucht. Ich weiss noch, wie ich zum ersten Mal in Fribourg auf dem Markt stand, anfing Gitarre zu spielen und immer versuchte, zu singen. Aber ich konnte mich nicht überwinden. Da wurde ich hässig, ging ins nächste iRestaurant, bestellte einen doppelten Whisky – und dann funktionierte es plötzlich.

Welche Rolle spielte Musik früher in Ihrem Leben?
Keine grosse. Sie war ein Sekundär-Hobby.

Was waren Ihre Primär-Hobbies?
Ich habe mal mit Schwingen angefangen und Handball gespielt. Auch der Ausgang mit Kollegen gehörte zu den Prioritäten.

Jetzt machen Sie Musik zu Ihrem Lebensinhalt. Was sagten Ihre Eltern zu dieser Entscheidung?
Die dachten, es sei halt wieder so eine Phase bei mir, die wieder vorüber geht. Als sie dann merkten, dass ich voll in meiner Musik aufgehe, haben sie mich unterstützt. Mein Vater ist auch ein Lebemensch und hat gesagt: Wenn Dich das Leben dahin führt, dann mach das! Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Denn eigentlich habe ich Baumaschinen-Mechaniker gelernt, und der Plan war, dass ich einmal den Familienbetrieb übernehme. Das muss jetzt halt ein bisschen warten.

Sie sind nach London gegangen, um am renommierten British and Irish Modern Music Institute BIMM Musikproduktion zu studieren. Wie wichtig ist London für Ihre musikalische Entwicklung?
Sehr! Der Alltag dort ist schneller, und ich bin den ganzen Tag mit Musikern und Musikbusiness umgeben. Das hält mir jeden Tag den Spiegel vor und gibt mir viele Möglichkeiten zur Selbstreflexion. Es ist faszinierend, zu sehen, wie viele tolle Talente es allein schon in dieser Stadt gibt.

Macht das nicht auch ein wenig Angst vor der grossen Konkurrenz?
Nein. Mich fasziniert jeder Mensch, der Musik macht. Denn jeder geht den gleichen Weg. Abgesehen davon gibt es in anderen Berufen genau so viel oder vielleicht noch mehr Konkurrenz. Damit muss man leben. Aber klar: Ein bisschen Mut brauchts immer.

Wie sieht die Schweizer Musikszene aus Londoner Perspektive aus?
Äusserst spannend. Letztes Jahr habe ich in London 20 Shows gespielt und keinen Rappen verdient, weil uns niemand kannte. In der Schweiz ist es einfacher, nach oben zu kommen und mit Musik Geld zu verdienen. Darum ist die Schweiz für mich ein wichtiger «Backbone». Umgekehrt ist man in England immer am «Brennherd». Darum ist die Kombination England/Schweiz für mich optimal.

Sie spielen am 5. November an der Baloise Session und teilen sich den Abend mit Ms Lauryn Hill. Was hat das für Sie für eine Bedeutung?
Es ist für mich fast unvorstellbar, dass ich an dieses Festival, an dem schon so viele berühmte Acts gespielt haben, eingeladen werde. Und dann dürfen wir noch im Vorprogramm von Ms Lauryn Hill spielen. Unglaublich! Dabei kannte ich sie vorher eigentlich gar nicht so richtig. Als mein Manager mir dann aber ein paar Tracks von ihr vorspielte, fiel ich aus allen Wolken. Diese Frau ist legendär!

Ihre neuen Lieder sind ruhig, vom Arrangement her zurückhaltend und leicht melancholisch. Haben Sie sich bewusst für diesen Stil entschieden?
Als Strassenmusiker habe ich alles ausprobiert und viele Songs gecovert. Mit der Zeit merkt man, was zu einem passt. So habe ich diese Art von Musik entdeckt und weiter entwickelt, in der meine Stimme zum Tragen kommt. Sie macht mir auch am meisten Spass.

 

 

Messeplatz
4058 Basel

Montag, 5. November 2018, 20 Uhr, Messe Event Halle

Avatar von Zeno van Essel

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