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Madrugada: «Wir sind heute eine andere Band – bessere Musiker!»

Herr Høyem, wie geht es Ihnen? Sivert Høyem: Danke. Mir gehts sehr gut. Ich bin zufrieden mit meinem Leben. Wir haben gerade eine kleine Tour durch Europa hinter uns und jetzt eine Woche frei. Die Baloise Session wird unser…

Die norwegische Band Madrugada eroberte vor 20 Jahren die Rockszene im Sturm. Dann traf sie ein Schicksalsschlag. Die Band löste sich auf. Jetzt, zum Jubiläum des Debüt-Albums «Industrial Silence», die Wiedergeburt an der Baloise Session – mit Songs von früher, die heute noch besser tönen. Interview mit Frontmann Sivert Høyem.

Herr Høyem, wie geht es Ihnen?
Sivert Høyem: Danke. Mir gehts sehr gut. Ich bin zufrieden mit meinem Leben. Wir haben gerade eine kleine Tour durch Europa hinter uns und jetzt eine Woche frei. Die Baloise Session wird unser letztes Konzert ausserhalb von Norwegen sein dieses Jahr. Wir freuen uns darauf.

Sie feiern dieses Jahr das 20-Jahr-Jubiläum Ihres Debüt-Albums «Industrial Silence» – und feiern dabei sehr erfolgreiches Comebacks. Warum ist die Musik von damals heute noch so aktuell?
Als wir dieses Album aufgenommen haben, sind wir keinen Trends gefolgt. Wir orientierten uns viel mehr an das klassische Songwriting wie jenes von Elvis Presley oder der Country Musik. Dazu kamen noch Einflüsse aus den 80ern wie The Smiths oder Jesus and Mary Chain. Wir sahen uns eher in der Tradition der grossen Rock-Klassiker als im Zeitgeist jener Jahre. Vielleicht macht das unsere Musik heute etwas zeitloser.

Erinnern Sie sich noch an Ihre Stimmung, in der Sie 1999 «Industrial Silence» aufgenommen haben?
Wir versuchten damals, Stimmungen, Emotionen einzufangen. Das merkt man auch an den Songtexten, die oft keine konkreten Dinge beschreiben, sondern eher die Atmosphäre der Songs. Und das kommt sofort wieder zurück, wenn man die Songs wieder spielt – auch nach 20 Jahren. Das war es, worum sich unsere Musik im Wesentlichen drehte: Atmospären zu kreieren mit Musik, Texten und Instrumentierungen. Wir wollten immer sehr entspannt spielen, haben das Tempo immer zurück genommen.

Kehrt diese Stimmung bei Ihren heutigen Konzerten wieder zurück oder fühlen Sie sich dabei anders?
Wir leben heute in der Zeit von Social Media. Dadurch hat sich vieles verändert. Musik ist omnipräsent. Auch unsere Musik hat heute lustigerweise eine viel grössere Verbreitung als vor 20 Jahren. So kommt es, dass die Fans unsere Songs viel besser kennen und die Tour im Nu völlig ausverkauft war. Darum können wir uns nicht beklagen. Auch technologisch hat sich eine Menge getan: Wir hören uns auf der Bühne viel besser, wir können unseren Sound viel besser umsetzen als vor 20 Jahren. Das ist ein grosser Unterschied.

Erst 2008 brachten Sie ein Album unter dem Titel «Madrugada» heraus. War es ein Fazit – oder eine Hommage an den verstorbenen Robert Burås?
Dazu gibt es eine Insider-Story: Wir von Madrugada haben immer unser erstes und unser letztes Album als jene betrachtet, die den Sound unserer Band am besten reflektierten. Denn wir hatten viel Zeit, um das erste Album zu schreiben und waren von seiner hohen Qualität überzeugt. Dann ging alles sehr schnell. Wir waren andauernd auf Tour, hatten kaum Zeit, neue Songs in der gleichen Intensität zu schreiben. Darum empfanden wir die nachfolgenden Alben als nicht so stark. Obopwhl wir aich daran hart gearbeitet hatten. Für unser letztes Album «Madrugada» haben wir uns wieder viel Zeit genommen, um zu herasu zu finden, wie Madrugada im Jahr 2008 tönen sollte. Wir wollten nicht wie jemand anders tönen und auch nicht unsere alten Ideen wiederholen. Wir haben das Album dann an ein paar Abenden in New York aufgenommen, und es war wieder das gleiche Gefühl wie am Anfang. Jeder hatte seinen Beitrag geleistet. Der Kreis schien sich zu schliessen. Dann passierte das mit Robert. Da war uns allen klar, dass das wohl unser letztes Album sein würde. Darum haben wir es no benannt.

Sie haben neben Madrugada auch andere Musikprojekte verfolgt und haben auch als Solokünstler grosse Erfolge gefeiert. Was ist anders bei der Arbeit mit Madrugada?
Das ist eine schwierige Frage. Ich bin ein Band-Mensch. Ich wollte nie ein Solokünstler sein. Ich brauchte lange, um die Vorzüge, die Freiheit eines Solisten zu spüren und wertschätzen zu können. Die meiste Zeit habe ich aber versucht, Leute um mich zu scharen, um Musikprojekte zu realisieren – und mich hinter ihnen zu verstecken.

Was ist anders, wenn man als Solokünstler arbeitet?
Die Leute, mit denen man zusammenarbeitet, gehen anders mit den Ideen um, mit denen ich sie konfrontiere. In einer Band muss man dafür kämpfen und Kompromisse eingehen, um seine Ideen durchzubringen. Man ist in einem dynamischen Dialog mit Freunden. Als Solokünstler ist man eher der Projektleiter, der Anweisungen gibt.

Erinnern Sie sich an den Moment, als Sie Ihre alten Freunde von Madrugada wiedersahen und beschlossen, wieder auf Tour zu gehen?
Ich bin sehr gut befreundet mit Jon Lauvland Pettersen, dem Drummer unserer Band auf den ersten beiden Alben, der die Band 2001 verlassen hat. Er ist übrigens ein sehr witziger Kerl. Wir hatten einen Lunch in Oslo und ein paar Bierchen. Da fragte er mich, was ich davon halten würde, die Band wieder zu vereinen und auf Tour zu gehen. Ich fand es keine schlechte Idee, und je mehr ich mich damit befasste, umso mehr wuchs die Begeisterung. Wir kontaktierten unseren Bandkumpel Frode Jacobsen, trafen uns in einem Übungsraum und sagten: «Okay, lasst uns einmal versuchen, zu spielen.» Es war zwar alles noch etwas roh, denn wir hatten lange nicht zusammen gespielt. Aber mit der Zeit erinnerten wir uns wieder genau an spezielle Passagen in den Songs. Dann haben wir mehr als ein Jahr lang zusammen geprobt und waren sehr gut vorbereitet für das Comeback. Trotzdem: Wir sind heute eine andere Band. Wir haben viel mehr Erfahrung und sind bessere Musiker geworden – damals waren wir ja noch so jung! Früher war es immer ein Nervenkitzel vor den Auftritten. Heute gehe ich auf die Bühne und weiss: es wird gut.

Eines der Markenzeichen von Madrugada ist Ihre charakteristische Stimme. Wie halten Sie die fit?
Ich habe nie eine eigentliche Stimmausbildung gehabt. Und ehrlich gesagt: Als Student hätte ich nie gedacht, einmal Karriere als Profimusiker zu machen. Darum absolvierte ich ein Geschichtsstudium. Dann hat sich alles so ergeben. Aber zugegeben: Mit zunehmenden Alter wird der Job anstrengender. Darum versuche ich mich, körperlich fit zu halten, was auch der Stimme hilft. Leider mussten wir diesen Sommer trotzdem unser Konzert in Winterthur absagen, weil ich plötzlich einen Schmerz in der Brust verspürte. In meinem Alter macht man sich da schon Sorgen wegen dem herz. Zum Glück war es nichts Ernstes. Darum sind wir sehr glücklich, jetzt an der Baloise Session spielen zu dürfen und dort unseren Schweizer Fans und Freunden zu begegnen.

 

Messepl. 10
4005 Basel

Donnerstag, 31. Oktober , 20:00 Uhr, Baloise Session

Avatar von Zeno van Essel

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